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Erinnerungen aus den Seebädern…

 

Urlaub an der See, da wurden Kinderträume wahr. Jedes Mal, wenn es losging, war ich ganz aufgeregt und freute mich, aus dem Großstadtlärm hinaus zur Sommerfrische an die See zu fahren. Hier am Meer war alles anders: Vater und Mutter waren entspannt, hatten gute Laune und viel Zeit für uns. Das bunte Leben auf der Promenade und bei den Badelustigen am Strand ließen die Sorgen des Alltags vergessen. Imposant wirkten auf uns Großstädter die prachtvollen Villen, deren Baustil Schlüsse auf die Herkunft und Finanzlage ihrer einstigen Besitzer ziehen ließ. Mein Wunschtraum war es immer, einmal im langen weißen Kleid auf der Loggia einer Villa zu sitzen, Tee zu trinken und mich von den flanierenden herrschaftlichen Gästen bewundern zu lassen.


In Ahlbeck erinnere ich mich noch sehr genau an das Kaiser-Wilhelm-Kinderheim. Das Kinderheim, errichtet auf Initiative des Kaisers, diente als Erholungsort für Berliner Arbeiterkinder.

Weiter auf der Promenade spazierend kommt man zum ehemaligen Warmbad (heute Rathaus). Damals wurden riesengroße Wannen mit Seewasser gefüllt, das extra aus der Ostsee dorthin geleitet wurde. „Brausebäder“, das war etwas für uns Kinder.


An der Promenade – Wie gern schaute ich mir das im schlossähnlichen Charakter erbaute Hotel „Ahlbecker Hof“ an, das mit seinen 5 Sternen nach wie vor das erste Haus am Platze ist. Im Verbund mit dem einstigen Junkerschen Hotel ist es auch heute noch das wohl beeindruckendste Zeugnis der Bäderarchitektur in Ahlbeck.

In der Seestraße finde ich das erste Hotel des Ortes erbaut von Albert Wendicke. An die repräsentative Freitreppe erinnere ich mich noch sehr gut. Heute ist es das Hotel und Restaurant „Meereswelle“. Der davor gelegene Johann-Christian-Koch-Platz erinnert an den Begründer des Badelebens.

Bei Besuchen von Heringsdorf, damals „Nizza der Ostsee genannt“, begann unser Bummel stets beim „Weißen Schloss“, dem am höchsten gelegenen Hotel mit einem herrlichen Ausblick nach Bansin und auf die Ostsee. Dieses Haus ließ als erstes Logierhaus der Rittergutsbesitzer Bernhard v. Bülow 1820 errichten. Über den Kulm führte unser Weg an der Villa Fontane vorbei, in der der berühmte Schriftsteller 1863 verweilte und schwärmte: „… man hat Ruhe und frische Luft und diese beiden Dinge wirken wie Wunder und erfüllen Nerven, Blut, Lungen mit einer stillen Wonne…“

Auf meinem weiteren Weg hoffte ich, das damals repräsentativste Kurhaus aller Badeorte, den Kaiserhof Atlantik, zu sehen. Im Kurhaus spielte sich um die Jahrhundertwende das gesellschaftliche Leben ab. Hier war der Treffpunkt des Geldadels und der Aristokratie. Der repräsentative Bau erinnerte lebhaft an die Palasthotels der Riviera. Heute befinden sich an dieser Stelle eine REHA-Klinik und ein Kurhotel.


Wie bewunderte ich meine Freundin Elisabeth, die die Sommermonate immer in der Residenz Bleichröder verbringen durfte. Die Villa, im neobarocken Stil errichtet, wirkte auf mich immer wie ein Märchenschloss. Schöner denn je präsentiert sie sich heute dem Beschauer inmitten eines gepflegten Parkes als wahre Augenweide.

In Bansin liebte ich die Spaziergänge zum Langen Berg und das Ausflugslokal, wo es immer etwas zu Naschen gab. Vom Langen Berg hatte man eine herrliche Weitsicht auf das Meer, sah am Horizont vorüber ziehende Schiffe und erlebte ein aufregendes Kribbeln beim Blick von der Steilküste.


In Erinnerung blieben mir die herrschaftlichen Villen in der Bansiner Bergstraße, eine schöner als die andere. Auch heute stehe ich staunend davor.

Ein beliebtes Ausflugsziel war das traditionsreiche Café Asgard, das von dem bekannten Hoflieferanten Winterstein betrieben wurde.

Interessant heute sind das Tropenhaus mit seiner exotischen Tier- und Pflanzenwelt, das Hans-Werner-Richter-Haus im ehemaligen Feuerwehrgebäude sowie das Gedenkatelier für den Bansiner Maler Rolf Werner. Lesungen, Vorträge und wechselnde Ausstellungen gehören zum umfangreichen Angebot des Haus des Gastes an der Seebrücke, welches mir auch sehr gut gefallen hat.

Meine Mutter hat noch mit ihren Eltern und Geschwistern in den Fischerhäusern logiert. Wir haben dann in verschiedenen Sommerquartieren und auch mal in Pensionen gewohnt.


Heute präsentieren sich die „3 Kaiserbäder“ Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin als Seeheilbäder mit ihrem unverkennbaren Charme. Logieren kann man sowohl in restaurierten Hotels, Villen und Pensionen der Gründerzeit als auch in modern ausgestatteten Ferienwohnungen, Ferienhäusern und gemütlichen Privatzimmern.

Früher schon galten die Seebäder nicht nur als Erholungsbad, sondern vor allem auch als Kurbäder ersten Ranges. Die „3 Kaiserbäder“ verfügen neben der äußerst positiven Wirkung des Meeres und des Klimas über ein weiteres ortsgebundenes Heilmittel, die „Heringsdorfer Jodsole“. Zahlreiche Therapien und Gesundheitsangebote werden heute u.a. in zertifizierten Wellnesshotels und in der OstseeTherme Usedom angeboten.


Die Anreise war eine aufregende Sache. Mit dem Schnellzug aus Berlin über die Karniner Brücke erreichten wir die Badeorte in sagenhaften 2 Stunden und 50 Minuten. Das nächste Erlebnis war die Kutschfahrt zu unserem Sommerquartier, ein wahrer Hochgenuss für ein Großstadtkind. Später ergänzten auffällige Automobile das Straßenbild.

Genuss – ein großes Wort! Heute gibt es alles in Hülle und Fülle. Damals waren wir froh, wenn es sonntags mal ein Stückchen Kuchen oder Schokolade gab. Meine Mutter freute sich immer über eine Tasse guten Kaffees. Ja, die Zeit war anders. Aber schlemmen konnte man auch. Ich denke dabei an das große Fest von Onkel Franz. Alle waren festlich angezogen und das Essen vom Feinsten – Suppen, Braten, Gemüse, Kartoffeln und Eis zum Nachtisch, nachher noch Kuchen, Kaffee und für uns Kinder Kakao.


Ich liebte es, die Promenaden entlang zu spazieren. Als schick und erholsam galt es, sich in gepflegter Gesellschaft auf den liebevoll gestalteten Promenaden zu zeigen „Sehen und gesehen werden“. Für das Promenieren wurde die heiße Mittagszeit gemieden. Man zeigte sich besonders am Vormittag und nach dem Nachmittagstee. Ausschlaggebend war auch die Garderobe. Sie musste gerade bei den Damen stets dem Stil der Zeit entsprechen und durfte am Nachmittag nicht die gleiche wie am Vormittag sein. Das entspannte Erholen mit geruhsamen Mittagspausen und ausgedehnten Spaziergängen war das Ausleben vom „Wellnessgefühl“ der damaligen Zeit. Wenn man Glück hatte, konnte man prominente Schriftsteller, UFA Stars oder Komponisten antreffen.

Beliebt heute: das Flanieren und Shoppen in Ahlbeck in der See- und Dünenstraße, in Heringsdorf auf der Seebrücke sowie in der Frieden- und Seestraße und in Bansin in der Seestraße.


„Pommern und die Ostsee, es war einmal…

Sie waren für mein ganzes Schaffen mitbestimmend und ich zehre noch jetzt an den Erlebnissen, die ich dort hatte. Hier gibt es nichts, was damit zu vergleichen wäre“ (Lyonel Feininger). Wie Feininger wurden auch andere weltbekannte Künstler inspiriert, z. B. Thomas und Heinrich Mann, Maxim Gorki, Victor Klemperer, Alexej N. Tolstoi und Johann Strauß.

Viele Künstler, Print- und elektronische Medien verfolgen mit Interesse die Entwicklung in den „3 Kaiserbädern“ und erschließen deren Einmaligkeit vielen in- und ausländischen Lesern, Hörern und Zuschauern, wie z. B. mit der Verfilmung „Pappa ante Portas“ von Loriot.


Das freut mich, denn so kann ich auch in meinem Lesesessel zu Hause die Entwicklung verfolgen und vergleichen „So wie es früher war“.

Man traf sich auf der Rennbahn, beim Tennis spielen, bei Reunions auf dem Kurplatz und Hotelvorplätzen, bei Spielfesten für Kinder, beim Tanztee, in der Spielbank sowie zum abendlichen Gesellschaftstanz.


Nie werde ich den Tanztee vergessen, bei dem ich meinen späteren Ehemann kennen lernte.

 


 
 

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